Text: Toni Kaiser, Bilder: © Trekking Team AG

Rein ins höllische Loch

Gewaltige Kräfte haben während einer Million Jahre unter der Erdoberfläche gewirkt und mithilfe unterirdischer Wasserströme ein riesiges Höhlensystem geschaffen: das über 200 Kilometer lange Hölloch im schwyzerischen Muotatal. Eine geführte Tour vermittelt faszinierende Einblicke in die geheimnisvolle Unterwelt.

«So, und jetzt machen wie ein paar Lockerungsübungen, Arme und Beine aussschütteln, und dabei ganz entspannt bleiben. Gut so! Dann gehts mit einem Sprung in die Tiefe, schaut so.» Und schon ist Marcel mit einem Jauchzer verschwunden, dass es nur so von den Wänden hallt. Was war das? Will der Mann uns loswerden?

Da stehen wir nun, wir armen Toren wie die Esel am Berg, nur mittendrin in einem düsteren Loch. Genauer: in der Schwärze des Hölloch. Lustig flackern die Strahlen unserer Lampen die Wände auf und ab und versuchen zu eruieren, wohin unser Führer so plötzlich verschwunden ist. Nun, in die Tiefe natürlich. Da schauen wir hin – und entdecken ihn unter einer riesige Rutschbahn aus Sand. Und das mitten in einer riesigen Höhle – da bleibt uns glatt der Schnauf weg. «Der grösste Sandkasten der Schweiz!», posaunt unser Höhlenführer von unten herauf und fordert uns lautstark auf, es ihm gleichzutun. Das tun wir dann auch, wir 25 Höhlengäste, natürlich auch jauchzend und kreischend. Fliessende Wasserströme haben den Sand hier abgelagert.

Unten empfängt uns Hölloch-Guide Marcel Rota mit lautem Applaus. Der Speläologe und hörbar waschechte Basler ist seit über 20 Jahren Höhlenwart der berühmten Muotataler Höhle, die mit über 200 Kilometern erforschten Gängen die zweitgrösste Europas und achtgrösste der Welt ist; die grösste weltweit ist Mammut Cave im amerikanischen Kentucky. Auf einer Schnuppertour zeigt er uns den ausgebautesten Teil des gigantischen Höhlensystems, das wir vor einer knappen Stunde via einen imposanten Schluchtweg betreten haben.

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Während wir uns vorwärtstasten – richtiger: die Höhle «befahren», wie es auch beim Ballonfahren genannt wird –, weist uns der Höhlenkundige in bildhaften Schilderungen darauf hin, dass Höhlensysteme eine Art unterirdisches Kanalisationssystem seien. Ausserdem die ersten Unterschlüpfe des Menschen, worin sie Schutz gefunden hätten. Und weiter, dass hier nur zehn Prozent der Gänge durch mechanische Einwirkung des Wassers ausgewaschen worden seien, hingegen 90 Prozent durch chemische Prozesse, durch die der Kalkstein aufgelöst wurde. Und dies stets von oben nach unten, weil sich ja auch das Wasser immer in die Tiefe fresse. Darum sprechen die Experten beim Hölloch auch von einer Karsthöhle. Im Boden zeigt uns Marcel allerlei Löcher, Kolken genannt, die in Erosionsprozessen ausgewaschen wurden, andere an der Decke, wo man den Vorgang jedoch Korrosion nenne. Stalagmiten und Stalaktiten gibts natürlich auch, und da stellt sich die ewige Frage, welche die hängenden sind und welche die steigenden. Das könne man sich ganz einfach merken: «tomber, fallen» stehe für Stalaktiten, «monter, steigen» für Stalagmiten. Alles klar, endlich!

Lesen Sie den ganzen Beitrag, inkl. einem Interview mit Höhlenführer Marcel Rota, in Wandermagazin SCHWEIZ, Ausgabe 6/2020.

Gut zu wissen
Der Eingang des Hölloch befindet sich in Muotathal SZ, oberhalb des Weilers Stalden. In der Höhle liegt die Temperatur im Sommer wie im Winter bei konstanten sechs Grad. Hauptsaison für geführte Begehungen, vor allem für die längeren, ist der Winter, weil dann die Gänge nicht vom Wasser überschwemmt sind. Angeboten werden Kurzführungen von zwei Stunden bis zu Mehrtagesexpeditionen von drei Tagen mit Biwaks, dazu auch spezielle Programme für Firmen sowie kulinarische Events. Bis zu 10000 Gäste lassen sich pro Jahr durch das Hölloch führen.

Infos: Trekking Team AG, Tel. 041 390 40 40, www.trekking.ch

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