Text: Elisha Nicolas Schuetz, Titelbild: Athesia Tappeiner / Alex Filz

Meraner Höhenweg

Der Meraner Höhenweg gehört zu den schönsten Rundwanderwegen im Alpenraum. Er umrundet auf knapp 100 km das Bergmassiv des Naturparks Texelgruppe im Südtirol. Geübte und trittsichere Wanderer schaffen die ganze Tour in vier bis sechs Tagen. Der hochalpine Rundweg verläuft auf relativ gleichbleibender Höhe von etwa 1400 m, führt jedoch teilweise bis auf 3000 m ü. M. hinauf und erfordert alpine Erfahrung. Dank zahlreicher An- und Abstiegsmöglichkeiten können auch nur einzelne Etappen zurückgelegt oder die Strecken den individuellen Bedürfnissen angepasst werden.

Wenn der Himmel tiefblau ist, der Herbst die Wälder in ein herbstliches Kleid taucht und die Sonne den ganzen Tag scheint, dann ruft der Berg. Das Meraner Land im Südtirol ist ein wahres Outdoor-Paradies und der Meraner Höhenweg ein Highlight für Wanderer und Bergsteiger. Herrliche Panoramawege bis hin zu hochalpinen Strecken führen durch die eindrückliche Gebirgslandschaft des Naturparks Texelgruppe. Auf Schritt und Tritt warten neue Eindrücke auf die Wanderer und gewähren Einblick in die Welt der Bauern, die seit Jahrhunderten diese Berg- und Kulturlandschaft hegen und pflegen.

Hochalpine Rundwanderung als Spektakel
Die Texelgruppe ist der grösste Naturpark Südtirols. Zahlreiche Panoramawege und Trekkingpfade machen den Schutzraum dieser Hochgebirgslandschaft zum beliebten Ziel für Wanderer. Der rund 100 Kilometer lange Meraner Höhenweg kann in beiden Richtungen begangen, die einzelnen Etappen auch als Tagestouren erwandert werden. Der Südteil der Route ist zudem ganzjährig begehbar, weil er vom submediterranen Klima des Etschtales geprägt ist. Der mit Nr. 24 markierte Weg führt durch abwechslungsreiche Gebirgslandschaften mit schroffen Alpgipfeln, dichten Wäldern und satten Almwiesen.

Keineswegs ein Spaziergang
Die mehrtägige Bergtour eröffnet atemberaubende Ausblicke: Wie von einer Aussichtsplattform erblickt man den Vinschgau, das Meraner Becken, das Passeiertal sowie die Sarntaler, Stubaier und Ötztaler Alpen. Bei klarem Wetter sind auch die Dolomiten, die Brenta-Gruppe und das Ortler-Massiv zu sehen. Der Meraner Höhenweg ist aber keineswegs ein Spaziergang. Neben einer alpinen Ausrüstung gehören auch Bergerfahrung, eine gute Grundkondition und sorgfältige Planung zu den Voraussetzungen. An exponierten Stellen befinden sich Ketten, Seile oder Geländer zur Sicherheit. Naturstufen oder Kunsttreppen erleichtern die Auf- und Abstiege. Die Wanderungen werden auch geführt angeboten.

Individuelle Zustiegsmöglichkeiten
Der Meraner Höhenweg kann von verschiedenen Startpunkten aus in Angriff genommen werden. Die verschiedenen An- und Abstiegsmöglichkeiten sind gut ausgeschildert und ermöglichen eine individuelle Planung, damit die Wanderung auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden kann. Zudem sind einzelne Zustiege und Höfe mit dem Auto oder mit Seilbahnen erreichbar. Von Partschins, Dorf Tirol, Naturns und Algund kann man mit Bergbahnen zum Meraner Höhenweg gelangen.

Die Teilstrecken

1. Etappe: Von Hochmuth bis Giggelberg
Die erste Etappe startet beim Gasthof Hochmuth (1400 m) und führt auf dem Weg Nr. 24 über den Hans-Frieden-Weg zur Leiteralm (1522 m). Von hier aus weiter zum Hochganghaus (1839m). Ab Hochgang nimmt der Meraner Höhenweg erstmals alpinere Züge an. Der Weg wird zum Steig, nennt sich AVS Jugendweg und führt vorbei an der Tablander Alm hinunter zur Nassereithhütte (1523 m). Der Zielbach wird hier überquert, und der Weg führt weiter zum Berggasthaus Giggelberg (1565 m).
Gehzeiten:
Hochmuth – Leiteralm 1 Std.
Leiteralm – Hochganghaus 1,5 Std.
Hochganghaus – Nassereith 2,5 Std.
Nassereith – Giggelberg  1,5 Std.
Gesamtgehzeit ca. 6,5 Std.
Aufstieg 850 Hm, Abstieg 550 Hm, Länge 13,4 km, Schwierigkeitsgrad mittel.

2. Etappe: Von Giggelberg nach Katharinaberg
Die Etappe beginnt recht gemütlich, aber bald schon gilt es, Taleinschnitte und Rinnen zu durchwandern, die zum Teil mit Treppen, Leitern und Sicherungen versehen sind. Immer wieder bieten sich Bergbauernhöfe zur Einkehr an. Ab dem Linthof schlängelt sich dann der Weg ins Schnalstal. Nach zwei Wegstunden erreicht man schliesslich den Ort Katharinaberg (1245 m).
Gehzeiten:
Giggelberg – Hochforch 1 Std.
Hochforch – Pirch-Grub 2 Std.
Grub-Gallmein – Innerforch-Lint 1 Std.
Lint-Unterperflhof – Katharinaberg 2 Std.
Gesamtgehzeit ca. 6 Std.
Aufstieg 631 Hm, Abstieg 967 Hm, Länge 14,4 km, Schwierigkeitsgrad anspruchsvoll.

3. Etappe: Von Katharinaberg zur Stettiner Hütte
Von Katharinaberg geht es durch das Pfossental, hinein in die Welt des Hochgebirges, vorbei an Vorderkaser bis zum Eishof, von wo man den Talschluss erreicht. Majestätisch präsentieren sich die Gipfel der Texelgruppe. Die Hohe Weisse (3278 m) ist greifbar nahe. Der alte, gleichmässig ansteigende Militärweg führt bis zum Eisjöchl auf 2895 m ü. M. Von hier ist es nurmehr ein kurzes Stück zur Stettiner Hütte (2875 m).
Gehzeiten:
Katharinaberg – Vorderkaser 3,5 Std.
Vorderkaser – Eishof 2 Std.
Eishof – Eisjöchl – Stettiner Hütte 3 Std.
Gesamtgehzeit ca. 8,5 Std.
Aufstieg 1720 Hm, Abstieg 100 Hm, Länge 19,2 km, Schwierigkeitsgrad schwer.

4. Etappe: Von der Stettiner Hütte nach Matatz
Von der Stettiner Hütte schlängelt sich der Weg in Serpentinen hinunter zur Lazinser Alm. Durch die Ortschaft Pfelders (1622 m) geht es weiter bis nach Inner- und Ausserhütt. Im stetigen Auf und Ab führt die Wanderung dann nach Christi oberhalb von St. Leonhard im Passeiertal.
Gehzeiten:
Stettiner Hütte – Pfelders 3 Std. (4 Stunden im Aufstieg)
Pfelders – Innerhütt 1 Std.
Innerhütt – Ulfas 1,5 Std.
Ulfas – Christl 1,5 Std.
Christl – Matatz 1 Std.
Gesamtgehzeit ca. 8 Std.
Aufstieg 240 Hm, Abstieg 2040 Hm, Länge 27,6 km, Schwierigkeitsgrad schwer.

5. Etappe: Von Matatz nach Hochmuth
Von Matatz geht es zum Kalbenbach, wo bis auf 820 m ü. M. abgestiegen und das Tal gequert wird, um dann bei Magdfeld wieder aufzusteigen. Der Weg führt zum Longfallhof im Spronsertal, weiter zum Talbauer und schliesslich wieder zum Ausgangspunkt des Trekkings zurück, dem Gasthof Hochmuth.
Gehzeiten:
Matatz – Magdfeld 1,75 Std.
Magdfeld – Vernuer 2 Std.
Vernuer – Gfeis 0,75 Std.
Gfeis – Longfal 1 Std.
Longfal – Hochmuth 1,5 Std.
Gesamtgehzeit ca. 7 Std.
Aufstieg 1297 Hm, Abstieg 1004 Hm, Länge 18,5 km, Schwierigkeitsgrad leicht.

Entstehung des Meraner Höhenweges
Der Meraner Höhenweg ist das Ergebnis einer langjährigen Erweiterung einzelner Steige, die 1976 miteinander verbunden wurden. In den 60er Jahren wurde eine durchgehende Verbindung von Longfall über Talbauer bis Giggelberg geschaffen, mit Ausbau und Neuanlegung des schmalen Steigs von Hochmuth zur Leiteralm seitens des Tourismusvereins Algund und Dorf Tirol. Damit hatte der erste Teil des Meraner Höhenwegs seine endgültige Trassierung erhalten. In der Folge sollte diese Linie des Wanderweges mit Hilfe von Ortskundigen nach Westen und Osten verlängert werden, damit die obersten Berghöfe miteinander verbinden werden konnten. Zudem wurde 1976 der Naturpark Texelgruppe errichtet, mit dem Ziel, eine einmalige Berglandschaft in ihrem Urzustand zu belassen und als Erholungsraum zu erhalten. Nun kam die Idee auf, den 33.430 Hektar grossen Naturpark mit einem Wanderweg zu umrunden, der mit dem Meraner Höhenweg gekoppelt werden konnte. Nach dieser langjährigen Ausarbeitung des Projektes konnte 1985 in Katharinaberg die offizielle Eröffnung der gesamten Strecke des Meraner Höhenweges gefeiert werden.

Infos: www.suedtirol.info

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