Text: Jochen Ihle, Bilder: Stefanie Pargätzi

Ich glaub, ich steh‘ im Wald

Bäume bestaunt man normalerweise von unten. Im Neckertal im Kanton St. Gallen ist das anders. Der Baumwipfelpfad in Mogelsberg führt weit hinauf in die Baumkronen.

«Uih, da wird’s mir ja ganz schwindelig», sagt die kleine Andrina, als sie von der Aussichtsplattform nach unten schaut. Doch zum Glück sind Mama und Papa nicht weit und man kann ja auch in den Kinderwagen flüchten. Seit Sommer 2018 gibt es im Steinwäldli oberhalb Mogelsberg den schweizweit ersten Baumwipfelpfad. Dieser verläuft auf Höhen zwischen vier und fünfzehn Meter und schraubt sich hoch bis zur Aussichtsplattform in 55 Meter Höhe. Und: Der Pfad ist barrierefrei und beidseitig mit Geländern aus Stahl und hölzernem Handlauf gut abgesichert; kann also auch mit Rollstuhl und Kinderwagen begangen werden, was in diesem Fall die kleine Andrina besonders freut. Stellenweise ragt der Pfad über die eigentlichen Baumhöhen hinaus. Möglich sind so herrliche Fernblicke über das Neckertal bis in den Schwarzwald und natürlich auf die tiefer gelegenen Bäume. Noch nie waren das Vogelgezwitscher und das Rauschen der Blätter so nah.

Gute Laune auf dem Baumwipfelpfad Mogelsberg.

Zum Baumwipfelpfad gehört auch der 650 Meter lange Walderlebnispfad. Beide zusammen verfügen über 30 verschiedene Lern- und Erlebnisstationen, an denen man viel über Wald und Natur erfährt. An den Stationen kann man aber nicht nur lesen, sondern auch drehen, schmecken, hören und fühlen. Da geht es um einheimische Tiere wie Eichhörnchen, Specht und Steinadler und natürlich um die vielen Baumarten im Mogelsberger Wald – von der Eibe bis zur Eberesche. Und sind die Kinderköpfe dann voll mit lehrreichen Infos, kann sich die Jungmannschaft auf dem fantasiereichen Spielplatz austoben: Balancierwege, Waldxylophon, Riesenkugelbahn, Seilbähnli und Mikado-Kletterstämme lassen keine Wünsche offen. Da können die Eltern in der Zwischenzeit schon mal das Feuer an den Grillstellen schüren.

Wer beim Baumwipfelpfad auf den Geschmack kommt, dem sei verraten: In der Schweiz gibt es noch viele weitere Baumerlebnisse für Familien. Zum Beispiel eine Übernachtung in der Chamanna Cluozza, einem Blockhaus im Schweizerischen Nationalpark. Oder man kann in Villarimboud bei Romont FR den Barfussweg begehen und anschliessend im Baumbiwak übernachten. Ebenfalls im Freiburgerland gibt es den Waldlehrpfad «A tire d’ailes» im Buchenwald Le Bois de Ban nahe Le Crêt. Ein holzgeschnitzter Schwarzspecht begleitet die Besucher auf einem mit Holzschnitzel bedeckten Rundweg und weiht sie in die Geheimnisse des Waldes ein.

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Oktober 13, 2020

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