Text: Toni Kaiser, Bilder: Roger Strebel

Drohnen

Drohnenbilder sorgen für neue Perspektiven und Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, sie unterstützen Rettungseinsätze, verbessern Lawinenprognosen, transportieren Lasten. Sie ärgern aber auch Mitmenschen, die Ruhe suchen, und für Wildtiere können sie gar eine lebensbedrohende Störung sein. Sind Drohnen also Fluch oder Segen?

«Drohnen sind nichts anderes als fliegende Kameras oder Handys», sagt Roger Strebel. Selber ein begeisterter Drohnenpilot, der aber auch «richtige» Flugzeuge steuert. Drohnen werden allerdings ganz anders wahrgenommen als ein Handy, denn häufig sorgen sie genau da für Missstimmung, wo der Mensch eigentlich seine Ruhe haben möchte: mitten in einer schönen Landschaft, in der Umgebung einer toll gelegenen Bergwirtschaft oder auf dem Gipfel eines aussichtsreichen Berges. Da also, wo ihr unnatürliches Surren stört. Denn auch leistungsfähige Drohnen sind heute so klein, dass sie praktisch im Hosensack Platz finden. Und sie werden auch immer billiger. Die Welt aus einer neuen Perspektive zu sehen, das macht Spass. Bereits 2017 wurde laut einer Studie der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung die Grenze von 100.000 verkauften Drohnen in der Schweiz überschritten, und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Für viele Hobbypiloten sind Drohnen einfach ein faszinierendes Hightech-Spielzeug. Profis tüfteln jedoch an neuen, interessanten Einsatzmöglichkeiten. Etwa in der Bauwirtschaft, die davon profitieren kann, dass die kleinen Fluggeräte schnell, effizient und kostengünstig für Inspektionen von Brücken, Dächern, Türmen, Elektroinstallationen usw. gerüstfrei eingesetzt werden können. Auch die Bergrettung profitiert von der neuen Technik – beispielsweise auf Sucheinsätzen, wo gezielt in schwierigem Terrain verunfallte Personen gesucht werden können. Gerade auch für die Rettungsflugwacht macht der Einsatz von Drohnen Sinn, und tatsächlich arbeitet die Rega seit geraumer Zeit konkret an einem solchen Projekt: Drohnen mit Wärmebild- sowie optischer Kamera und Mobilfunkdetektor sollen die Suche nach vermissten Personen unterstützen. Und dies auch bei schlechten Bedingungen und ohne Sichtverbindung zum Piloten, wenn ihre Helis nicht fliegen können.

Bereits einige Erfahrung im Einsatz von Drohnen hat das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. Die Fluggeräte sammeln Daten, damit die Forscher die Lawinensituation mittel Photogrammetrie besser einschätzen können. Sie helfen zudem, Lawinenverbauungen zu überwachen, die Wirkung von Triebschneezäunen zu beobachten, Standorte von Messstationen zu planen, Naturgefahren zu dokumentieren usw.

Der Nutzen der «fliegenden Handys» ist die eine Seite, ihr Störungspotenzial die andere. Darum beobachten gerade Naturschutzorganisationen die Entwicklung skeptisch. Der Drohnenboom sei besorgniserregend für die Tierwelt, erläutert Raffael Ayé von Birdlife Schweiz. Wenn die wenigen noch ungestörten Räume nun auch noch von Drohnen beflogen würden, sei dies problematisch. Besondes störungsanfällig sind beispielsweise Greifvögel wie der Adler, aber auch der Bartgeier und das Raufusshuhn. Deshalb sei es wichtig, dass Flugverbote über Schutzgebieten und sensiblen Zonen konsequent eingehalten würden, so Ayé weiter. Das grösste Problem für solche Störungen ortet er nicht in der Bösartigkeit der Pilotinnen und Piloten, sondern in ihrem fehlende Bewusstsein, was ihre Fluggeräte anrichten können. Auch deshalb macht eine bessere Ausbildung respektive Erfassung angehender Drohnenpilotinnen und -piloten Sinn. 

«Auch Drohnen-Piloten müssen sich gut auf ihre Flüge vorbereiten.»

Interview mit Roger Strebel

REDAKTION  Roger, steht uns bezüglich des Einsatzes von Drohnen durch Private ein Luftkrieg ins Haus?

ROGER STREBEL  Das Luftfahrtgesetz des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) regelt den Betrieb von Drohnen. Vor der Inbetriebnahme und dem Betrieb einer Drohne muss man sich zwingend über die gesetzlichen Einschränkungen und Grundlagen informieren. Dazu gehören insbesondere das Studium von Karten, Wetter, Flugverbotszonen usw. Wer wie auch immer im öffentlichen Luftraum unterwegs sind, muss also einiges beachten.

R  Du bist selber Privatpilot. Sind Drohnen eine Gefahr für die «richtige» Fliegerei?

RS  Ganz klar, Drohnen sind eine Gefahr für die Fliegerei, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort auftauchen. Der Kontakt mit einer Drohne in der Luft kann ein Flugzeug zum Absturz bringen. Darum braucht es Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen. Da ich selber auch ein begeisterter Drohnenpilot bin, weiss ich, dass man rücksichtsvoll miteinander umgehen muss, sonst sind schwere Unfälle nur eine Frage der Zeit. Wer die Fliegerei nicht seriös betreibt, kann ganz grossen Schaden anrichten.

R  Betreibst du darum die Webseite www.safadroneflying.aero?

RS  Ich führe sie zusammen mit Helmut Pyrochta, der ebenfalls stark in der Fliegerei verwurzelt ist. Wir haben auf privater Basis die wichtigsten Regeln und alle nötigen Infos und Links für die Flugvorbereitung und das Fliegen mit Drohnen zusammengefasst, für Laien- wie für Profipiloten. Die Seite ist inzwischen gut etabliert, dies auch dank der tollen Zusammenarbeit mit dem Bazl, der Aeropers, der skyguide und dem Schweizerischen Modellflugverband. Auch die Händler verweisen inzwischen auf SAFEDDroneFlying.

R  Müssen Drohnen bald registriert werden, damit man fehlbare Piloten verfolgen und bestrafen kann?

RS  Das ist so, dieFreiheiten der Drohnenpiloten werden schon bald eingeschränkt. Die EU hat neue Regelungen erlassen, die laut BAZL ab 1. Januar 2021 auch von der Schweiz übernommen werden. Sie sehen unter anderem vor, dass sich Drohnenpiloten registrieren müssen, Drohnen mit einem elektronisches Identifikationssystem ausgerüstet sind und nicht höher als 120 Meter fliegen dürfen, das Mindestalter für Piloten für den selbständigen Betrieb 12 Jahre betragen und ein Online-Test absolviert werden muss.

R  Was möchtest du einem angehenden Drohnenpilot noch ans Herz legen?

RS  Ganz einfach: Bereite dich auf jeden Flug seriös vor. Genau darum  haben wir unsere Webseite geschaffen, inklusive Newsletter mit den aktuellsten Infos. Und: Drohnen sind ein hochmodernes technisches Luftfahrgerät, mit dem man sich entsprechend intensiv befassen muss.

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