Text und Bilder: Jochen Ihle

Auf der Senda Sursilvana

Die «Senda Sursilvana» ist ein 6-tägiges Trekking in Graubünden. Es beginnt am Oberalppass und endet in Reichenau/Tamins, wo sich Vorder- und Hinterrhein vereinigen. Neben landschaftlichen Höhepunkten erlebt man eine Fülle an Kultur – wie trutzige Burgenruinen und Kapellen und Kirchen mit kunstvollen Wandmalereien.

Surselva – das klingt verwunschen, wie aus einem Märchenbuch. Der geheimnisvolle Name stammt aus dem Rätoromanischen und bedeutet «oberhalb des Waldes». Auf Deutsch ist für die Surselva auch der Name Bündner Oberland gebräuchlich. Die Surselva ist die Talschaft des Vorderrheins, von dem sie durchflossen wird und der weit oben beim Tomasee entspringt. Sie erstreckt sich vom Oberalppass bis nach Reichenau/Tamins, wo sich Vorder- und Hinterrhein zum Rhein vereinigen. Neben dem Haupttal umfasst die Region auch die Seitentäler Val Medel, Val Sumvitg, Val Lumnezia, das Valser- und das Safiental. Ein Wandergebiet also. Um diese Region auf Schritt und Tritt kennenzulernen, haben wir uns die «Senda Sursilvana» vorgenommen. Sie führt als Höhenwanderung auf der Sonnenseite der Surselva meist am Hang entlang, erlaubt aber auch Abstecher ins Tal, wo Fahrstrasse und Eisenbahnline verlaufen, und an die Ufer des jungen Rheins.

Mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn zur Senda Sursilvana.

Ausgangspunkt ist der Oberalppass. Er verbindet Sedrun in der Surselva mit Andermatt im Urserental, den Kanton Graubünden mit dem Kanton Uri. Die roten Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn fahren sowohl von Bündner als auch von Urner Seite über den Pass, auf dem sich ein Bahnhof befindet. Und auch am Ziel in Reichenau/Tamins gibt es einen Bahnhof der Rhätischen Bahn. Also eine perfekte ÖV-Weitwanderung.

Blick in die Surselva.

Kaum zwei Stunden sind wir unterwegs, da liegt uns auch schon die Surselva zu Füssen: Zwischen dem Pass Tiarms und Milez eröffnen sich grossartige Blicke über das Tal. Kurze Zeit später sitzen wir vor der gemütlichen Berghütte Tegia Las Palas bei einem «Tujetscher Zvieri-Brättli». Mit von der Partie ist Günther Lämmerer, Geschäftsführer der Firma Eurotrek und ein Spezialist fürs Weitwandern. «Wann immer möglich schnüre ich die Wanderschuhe und versuche neue Strecken zu entdecken. Die «Senda Sursilvana» ist ein Geheimtipp in unserem Programm.» Man glaubt es ihm gerne, nimmt sie doch in der Bekanntheitsskala der Schweizer Weitwanderwege nicht gerade einen Spitzenplatz ein. Völlig zu Unrecht, vor allem wenn ich mir die nächste Etappe anschaue: Auf dem Teilabschnitt von Sedrun nach Disentis gehen wir an den Gleisen der Rhätischen Bahn entlang, einmal sogar über einen Bahnviadukt mit Fussgängersteg, was hübsche Fotomotive ermöglicht. Dann erblicken wir auch schon bald das Zwischenziel Disentis. Ein Besuch im dortigen Benediktinerkloster mit seiner wuchtigen Doppelturmfassade ist der kulturelle Höhepunkt dieser Etappe, ja vielleicht sogar der gesamten Route. Bei soviel Abwechslung kommt auch Günther Lämmerer in Schwung: «Eine Weitwanderung ist immer eine ganz besondere Herausforderung. Meist habe ich am zweiten oder dritten Tag einen kleinen Durchhänger. Sobald ich mich aber wieder an die Bewegung gewöhnt habe, komme ich zur Ruhe und kann die Tour so richtig geniessen.» Die führt uns nun hinunter an den Vorderrhein und folgt dem rauschenden Fluss, mal etwas höher, mal etwas tiefer, mal als breiter Schotterweg, dann wieder als romantischer Waldweg. «Beim Weitwandern sind die Eindrücke intensiv und nachhaltig. Von allen Touren, die ich für meine Organisation gewandert bin, kann ich mich auch Jahre nachher noch an Erlebnisse und Orte erinnern, als ob es gestern gewesen wäre», schwärmt Günther. Da wird er sich nach dieser Wanderung bestimmt auch an Disla, Madernal, Cumpadials, Sumvitg, Rabius, Campliun und Trun erinnern – eher unbekannte Orte auf dem Weg zum prominenteren Etappenziel Brigels, wo es auf einem Rundweg etliche kunsthistorisch wertvolle Kirchen und Kapellen zu bestaunen gibt.

Lesen Sie den ganzen Text sowie viele weitere Tipps zum Weitwandern in Wandermagazin SCHWEIZ 5/2019

Die gesamte Route verläuft auf markierten Bergwanderwegen und ist mit zusätzlichen Wegweisern «Senda Sursilvana» (grünes Quadrat mit der Routen-Nr. 85) signalisiert. Schwierigkeit: T2. Übernachtet wird in Hotels und Pensionen in den Dörfern am Weg.

Tipp: Die «Senda Sursilvana» kann auch mit Gepäcktransport gebucht werden: Eurotrek, Unterengstringen, Tel. 044 316 10 00, www.eurotrek.ch

Weitere Infos:
Surselva Tourismus, Ilanz, 081 920 11 05, Brigels, 081 941 13 31, www.surselva.info
Disentis Sedrun Tourismus, Tel. 081 920 40 30, www.disentis-sedrun.ch
Gästeinformation Flims Laax Falera, 081 920 92 00, www.flims.com

Alle Etappen der Senda Sursilvana mit Beschreibungen, Karten und Höhenprofilen stehen im Tourenplaner SCHWEIZ zur Verfügung:

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