Text: Toni Kaiser, Bilder: zVG Rohner

Das warme Glück am Fuss

Die Socke ist das am häufigsten unterschätzte Kleidungsstück. Sie muss die stark belasteten Zehen, Knöchel, die Ferse und das Schienbein vor Reibung und Verletzungen schützen, Bewegungen optimal abdämpfen, wärmen und das Schuhklima regulieren. Eine Herkules-Aufgabe.

Worauf haben Sie bisher geachtet, wenn Sie Wandersocken kaufen wollten? Aufs flauschige Material? Den bequemen Sitz? Oder gabs gerade eine Aktion Drei für Zwei? Kaum ein Produkt war in Wanderkreisen so imageprägend wie die Socke. Als «Rotsöckeler» wurden sie tituliert und dabei ganz schön belächelt, die früheren Wanderer in ihren Knickerbockern und den knallroten Wollsocken. Die Spezies ist auf unseren Wanderwegen heute rar geworden. Aus mehreren Gründen: Erstens sind die Knickerbocker out. Zweitens auch die dicken, oft selbst gestrickten Wollsocken, die sich mit Feuchtigkeit vollsaugten und schlecht trockneten, was bei kühler Witterung für kalte Füsse sorgte. Und drittens entspricht die Farbe Rot nicht mehr den neuesten Trends. In sind heute vielmehr moderne, angenehm zu tragende Mischgewebe, welche perfekt auf dem Fuss sitzen, die Feuchtigkeit abführen, schnell trocknen, weder verrutschen noch auf der Haut reiben und somit blasenverhindernd sind.

Und doch ist für manche die schöne Wandertour schon nach der ersten Stunde gelaufen – wegen einer Blase am Fuss. Schuld daran ist oft nicht einmal der Schuh, sondern eben die Socke. Es lohnt sich darum – gerade auch bei Outdoorsportarten, die im Winter betrieben werden – dem Kapitel Socken die nötige Beachtung zu schenken. Gefragt sind High-Tech-Materialien jenseits von rauer Schur- beziehungsweise allzu feiner Baumwolle. Die Wolle von Merinoschafen zum Beispiel, verstärkt durch robuste bis elastische Synthetikfasern, welche die Feuchtigkeit aufnehmen und vom Fuss weg weitertransportieren, ohne dass sich die Socke feucht anfühlt. Diese atmungsaktive Funktion sorgt für ein ausgezeichnetes Fussklima sowohl bei warmen wie auch bei kalten Bedingungen. Klar ist, dass solche Socken perfekt auf dem Fuss sitzen müssen und auf keinen Fall Falten werfen dürfen. Ausserdem besitzen sie gelenkstützende Eigenschaften und zusätzliche Polster an neuralgischen Druck- und Scheuerstellen.

Also werden in der modernen Sockenfertigung für Outdoorsportarten heute widerstandsfähige, multifunktionelle Fasern verarbeitet, welche elastisch, atmungsaktiv, hoch leitfähig, druck- sowie stossdämpfend sind und die Wärmestrahlung so reflektieren, dass die Füsse immer schön warm bleiben. Zum Beispiel, indem man in die Fasern eine Art Luftröhren einbaut, die für eine permanente Luftzirkulation sorgen und so die Füsse trocken halten, indem sie die durch Schwitzen abgesonderte Feuchtigkeit speditiv abtransportieren. Socken sind also – wie so viele andere Produkte in Outdoorsportarten auch – eine komplizierte Materie. Was den Kauf nicht unbedingt erleichtert. Gut hat es, wer mit einer Marke so gute Erfahrungen gemacht hat, dass er oder sie dabei bleibt und sich stets an deren Neuentwicklungen orientiert. Worauf sicher Verlass ist: Bei jeder Marke gibt es für jeden Einsatzbereich die passende Socke.

«Socken sollte man nie zu gross kaufen.»

Qualitäts-Wandersocken schaffen nicht nur ein gutes Fussklima und verhindern die Blasenbildung, sondern sie unterstützen den Fuss auch bei Ermüdungserscheinungen und Kribbeln. Das Wandermagazin SCHWEIZ sprach mit Philipp Loeliger.

REDAKTION  Es gibt so viele Sockensorten, wie soll man da den Überblick gewinnen, was gut ist und was nicht?

PHILIPP LOELIGER  Diese Frage braucht einen Vorlauf:Die Socke ist im Gesamtkonzept einer Outdoor-Ausrüstung zwar nur ein kleines, aber doch entscheidendes Teil. Wer schon nach einer Stunde mit Blasen an den Füssen kämpft, wandert nur ungern weiter. Ob man eine Wandersocke auf einer Tour in der Ebene oder im Mittelgebirge braucht oder in steigeisenfesten Bergschuhen auf einer Hochtour, ob im Sommer oder im Winter, zum Trailrunning oder für ein mehrtägiges Trekking, macht einen entscheidenden Unterschied. Darum: Die Sockenfrage nicht unterschätzen!

R  Früher war die Kombination von dünner Innen- und dickerer Aussensocke üblich, um Blasen zu verhindern. Und heute?

PHL  Moderne Sportsocken sind fuss- und zonengerecht aufgebaut, weshalb heute normalerweise eine Sockenschicht reicht. Wichtig sind zum Beispiel: Die Socke muss die exakte Fussgrösse aufweisen, damit sie keine Rümpfe und damit Blasen bilden kann; Schuh und Socke müssen aufeinander abgestimmt sein, was übrigens auch für die richtige Höhe gilt, damit der Schuhrand nicht einschneidet.

R  Alles spricht von Merinowolle? Ist sie das Nonplusultra im Sockenbau?

PHL  Ja und nein. Merinowolle ist ein tolles Material: Merino wärmt, auch wenn sie nass ist, sie ist atmungsaktiv, geruchshemmend und angenehm – wenn man sie verträgt. Für bessere Robustheit muss sie aber immer mit einem gewissen Anteil Kunstfasern verarbeitet werden. Wir bei Rohner verwenden inzwischen bei einer unserer Socken für den Lauf- und Ski-/Tourensport im Unterbau der Socke sogar Kupfermaterialien, weil wir herausgefunden haben, dass diese Fussbrennen, Hautrötungen, Blasen usw. entgegenwirken. Und auch mit nachhaltiger Biokeramik und Pet wird geforscht, weil auf vegane Lösungen immer mehr Wert gelegt wird. Baumwolle und das wenig reissfeste BambusprodukTencel sind im Outdoorgeschäft nicht wirklich gute Lösungen.

R  Was also sind deine wichtigsten Tipps vor einem Kauf?

PHL  1. Grösse und Form müssen genau stimmen. Rutsche ich im Schuh hin und her, ergibt das Druckstellen, wunde Füsse und normalerweise Blasen. Vielleicht ist aber auch der Schuh zu gross. Austesten!

2. Socke und Sportart müssen zusammenpassen. Überlegen, ob die Socke eher für ein- oder mehrtägige Touren gebraucht wird, in einem eher feuchten oder trockenen Klima, ob man unterwegs waschen kann, ein Allround- oder ein Spezialmodell gefragt ist usw.

3. Beim Material einen atmungsaktiven Mix aus Natur- und Kunstfasern vorziehen, der das Müffeln verhindert oder zumindest hinauszögert.

4. Zum Schuhkauf resp. zur Anprobe die dafür vorgesehene Socke mitbringen. Und sich von einer Fachperson beraten lassen.

R  Und noch ein Wort zur Sockenpflege?

PHL  Waschen ganz normal bei 30 bis 40 Grad und die Socke dabei kehren, aber nicht tumblern – das gibt weniger Fusseln. Dabei auf die Herstellerhinweise achten. Und auch auf eine gute Fusspflege: Fusscreme gegen trockene und rissige Haut und vor allem die Zehennägel zurückschneiden – das verlängert die Lebenszeit der Socke.

Rohner-Wandersocken gibt es im Wandershop SCHWEIZ

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