Text und Bild: Toni Kaiser

Das kleine Rote

Soll eine Apotheke nun mit auf Tour oder nicht? – es passiert ja sowieso nichts. Eine Frage, die sich beim Rucksackpacken immer wieder aufdrängt. Mit einem geschickt zusammengestellten Erste-Hilfe-Set ist auch das Gewicht kein Problem.

Ja, eine Apotheke soll mit auf Tour, denn passieren kann immer mal etwas. Es muss ja nicht gerade ein Beinbruch sein. Ein Schnitt in den Finger beim Zuschneiden des Steckens für die Wurst oder das Anschlagen des Kopfes an einem Ast genügen auch, damit Blut fliesst. Da ist man froh, wenn nur schon ein Heftpflaster zur Hand ist, oder eine Stützbinde, wenn aus dem Misstritt ein verstauchtes Fussgelenk resultiert. Doch was soll das Erste-Hilfe-Set alles beinhalten, und worauf kann man mit gutem Gewissen verzichten?
Da streiten sich die Geister. Die einen wollen für jeden erdenklichen Zwischenfall gewappnet sein, die anderen gehen davon aus, dass sie ja sowieso nie etwas brauchen. Klar ist, dass sich der Inhalt einer Notfallapotheke direkt im Rucksackgewicht niederschlägt. Je mehr Sicherheit mitwandert, desto mehr Gewicht muss auch getragen werden.
«Klein, aber fein» ist eine wohlbekannte Devise, die mir in diesem Zusammenhang gut gefällt. Auf einer einfachen Tageswanderung braucht es tatsächlich keine grosse Rucksackapotheke. Besser stellt man sich nur das Allerwichtigste zusammen und nimmt es dann auch tatsächlich mit. Und weiss vor allem, was wie genau einzusetzen ist. Doch was ist das Allerwichtigste?

Völlig klar ist, dass es bei ernsthaften Vorfällen professionelle Hilfe braucht. Was heisst, dass eine funktionierende Alarmierungshilfe wie ein (aufgeladenes) Mobiltelefon mit den wichtigsten Notfall-Apps und/oder, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, mindestens ein Funkgerät im Gepäck mit dabei sein muss. Man muss sich jedoch auch bewusst sein, dass von vielen Standorten in alpinen Zonen wegen der Abgeschiedenheit keine Handy-Verbindungen möglich sind. Im Notfall kann auch eine Signalpfeife gute Dienste leisten – an vielen Rucksäcken ist eine solche in der Brustgurtschnalle eingebaut. Für mich zählt auch eine leichte Stirnlampe zum Notfall-Equipment.
Doch zurück zur Apotheke. Mit einem kleinen Basisset ist man auf den meisten Touren also bestens gerüstet. Für mehrtägige Trekkings ergänzt man dieses Set mit einigen weiteren wichtigen Utensilien – dies natürlich immer in Absprache mit den anderen Teilnehmern, so man nicht allein unterwegs ist. Daran denken sollte man, dass sowohl Alarmierungsmittel wie auch Apotheke wasserdicht verpackt werden müssen.

Basisset für Tagestouren
  • 1 Elastische Binde, 8 cm breit
  • 1 selbsthaftende Stützbinde, 6 breit, zum Schützen und Stützen von Muskeln und Bändern (speziell von Muskalfaserrissen und Zerrungen) und zum Fixieren bei Verletzungen
  • Jod- oder chlorhaltiges Desinfektionsmittel
  • 2 sterile Gazen zum Abdecken von Wunden, fixieren mit elastischer oder Stützbinde (siehe oben)
  • Blasenpflaster
  • Rettungsfolie, zum Isolieren und Wärmen
  • Wundverschlussstreifen/Klammerpflaster
  • 6 Schmerztabletten
  • Antihistaminika gegen plötzlich auftretende Allergien
  • evtl. Verbandsschere, falls nicht im Sackmesser
  • evtl. Zeckenzange, je nach Wanderregion
  • desinfizierende Salbe
  • Mittel gegen Magenbeschwerden und Kopfweh
  • Zettel mit Inhaltsverzeichnis (hilft beim Ergänzen) und mit den wichtigsten Telefonnummern. Einmal pro Saison sollte man jeweils den Zustand und die Ablaufdaten der Medikamente kontrollieren.
Literatur zum Thema:

Erste Hilfe für Wanderer und Bergsteiger, ISBN 978-3-85902-409-0, www.sac-cas.ch

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