Text und Bilder: Toni Kaiser

Ausgesetzter Gratgang

Unser «kleiner» Nachbar Liechtenstein ist ein Wanderparadies. Aus diesem sticht der Liechtensteiner Panoramaweg noch heraus, eine dreitägige atemberaubende Überschreitung, die vom Ferienort Malbun nach Ruggell im Rheintal führt. Sie bringt romantische Hüttenübernachtungen, spektakuläre Gratwege und grandiose Rundumsichten inmitten einer alpinen Blütenpracht.

Endlich wieder einmal hat es mich über die Grenze gezogen, ins benachbarte Ausland. Was nicht selbstverständlich ist nach diesen schwierigen Zeiten, in denen dieser lästige Virus solches nun doch schon über längere Zeit zu verhindern wusste. Doch glücklicherweise hat sich die Situation fürs erste etwas entspannt.

Also habe ich meine Wanderschritte über die Grenze lenken können. Nach Liechtenstein hat es mich gezogen, auf den vielgerühmten Liechtensteiner Panoramaweg (bei SchweizMobil die Nummer 66). Schon gestern hat mich der erste von drei Wandertagen von Sareis ob Malbun über den grossartigen Fürstin-Gina-Weg zur Pfälzerhütte geführt.

Diese Gratwanderung ist beliebt, entsprechend häufig sind flotte Begegnungen. Von «Liechtensteinisch» über Vorarlbergisch, Deutsch und Rheintalerisch ist da alles zuhören. Gut im Blickfeld sind rundum auch zahlreiche Gipfelkreuze – praktisch auf jeder einigermassen markanten Erhebung gibt es eines.

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Nach der Fürstin Gina (gest. 1989) ist dieser Weg benannt. Sie war die beliebte Mutter des Fürsten Hans-Adam II. Erster Höhepunkt der Tour ist nach der Sesselbahnfahrt der Augstenberg, mit 2359 m ü. M. gleichzeitig auch die höchste Erhebung auf dem Panoramaweg, der hier seinen Anfang nimmt und in drei Tagen alles obendurch bis ins Rheintaler Dorf Ruggel führt. Nach dem Augstenberg führt der teils ausgesetzte Weg steil hinunter zur schön gelegenen Pfälzerhütte. Mit nur zwei Stunden von Sareis bis hierher liegen zwei weitere Stunden auf den aussichtsreichen Naafkopf und zurück alleweil noch drin, auch weil das Gipfelkreuz schon von der Hütte aus in Sichtweite liegt und unterwegs gar Begegnungen mit dem König (oder hier besser Fürst) der Alpentiere, dem Steinbock, möglich sind. Drittens ist der Gipfelblick wirklich genauso, wie es alle Schreiberlinge in der Wanderliteratur versprechen. Fürstliche Begegnungen auf einem fürstlichen Gipfel, was will man mehr im Fürstentum! Und sooo weit ist es ja bis zum Übernachtungsgasthaus Sücka (2021 geschlossen) oberhalb Steg dann auch nicht mehr.

Wandermässig hat Liechtenstein, der mit rund 38700 Einwohnerinnen und Einwohnern sechstkleinste Staat der Welt und von allen Ländern des Alpenbogens, von Frankreich bis Slowenien, der einzige, der vollständig in den Alpen liegt, einiges zu bieten: Vom 430 Meter tief gelegenen Ruggell im Rheintal bis gegen 2600 Meter Höhe – der Grauspitz ist mit 2599 Metern der höchste Gipfel, der Naafkopf und der Falknis gleich daneben nur ein paar Meter weniger hoch – finden Wanderer 400 Kilometer markierte Wanderwege in einer der abwechslungsreichsten Gebirgslandschaften im Alpenraum. Genau 160 Quadratkilometer – auf 24,7 Kilometer Länge und 12,4 Kilometer Breite – stehen dazu zur Verfügung, davon bilden 41, 3 km die Landesgrenze zur Schweiz. Da ist vom gemütlichen Spaziergang für Geniesser bis zur herausfordernden Gebirgstour alles zu haben.

Steiniger Fürstensteig
Als Fortsetzung nach dem genüsslichen Fürstin-Gina-Weg bietet der knackige, weil recht ausgesetzte Fürstensteig durch die brüchigen und abschüssigen Flanken der Alpspitz-Westwand die spektakuläre Fortsetzung – ein weiteres Wanderschmankerl, das man auch als Tagestour vom Weiler Gaflei aus begehen kann. Wem das zu anspruchsvoll ist, wählt besser die offizielle, landschaftlich grossartige Panoramaweg-Variante über den Bärgällasattel und den sogenannten Kamin; beim Gafleisattel vereinen sich beide Varianten wieder.

Der Felsenweg erfordert nämlich Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, entsprechend warnt an seinem Beginn auch eine Tafel vor Steinschlag. Drahtseile, Stifte, luftige Holzplanken, Seilgeländer und in die Felsen betonierte Treppenstufen erleichtern den ausgesetzten Gang durch die bizarren Formationen. Oft blickt man in schaurige Tiefen, auf wilde Rutschbahnen und Couloirs, welche die Erosion ins Gestein gefräst hat. Umso fester klammern sich die Finger in Haken und Ösen und ans sichere Drahtseil, je dramatischer sich der Weg um abgeschliffene Felsköpfe schraubt. Jedenfalls leistet der Fürstensteig ganze Vorarbeit für das, was nachher folgt: die Überschreitung des Kuegrates und der Drei Schwestern, auf deren rundum besonnte Häupter man nach Erreichen des Gafleisattels erstmals blickt…

Lesen Sie weiter in Wandermagazin SCHWEIZ 5/2021. Mit vielen weiteren Tourentipps dies- und jenseits der Landesgrenze. Erhältlich am Kiosk und im Wandershop SCHWEIZ

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Wandermagazin SCHWEIZ 5/2021

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Dies- oder jenseits der Landesgrenze bleiben? Das war eine der wichtigen Fragen während der letzten zwei Jahre. Das Wandermagazin SCHWEIZ hat für diese Ausgabe mehrfach die Grenzen überschritten. Das Ausland

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