Text und Bild: Toni Kaiser

Altschneefelder

Wandern ist ein Ganzjahresbetätigung. Wen es schon früh im Jahr in die Berge zieht, der kann bei einer Tour auf Altschneefelder treffen. Deren Querung kann heikel sein, besonders am Morgen, wenn der Schnee noch hart gefroren ist. Tatsächlich führen Ausrutscher immer wieder zu gefährlichen Abstürzen mit tödlichem Ausgang.

Auf Frühlings- oder auch Frühsommerwanderungen kann es schon mal vorkommen, dass man auf einer Wanderung auf ein Altschneefeld trifft. Je höher man sich begibt und je nordseitiger ausgerichtet die Hänge liegen, wo die Sonne kaum oder nur kurze Zeit am Tag hinkommt, umso mehr kann dies eintreffen. So muss man bis auf 2500 Meter Höhe bis weit in den Juli hinein mit solchen Schneefeldern rechnen, bei späten Schneefällen im Frühling sogar noch länger.
Altschneefelder werden immer wieder unterschätzt. Dies vor allem, wenn sie am Morgen noch hart gefroren sind. Da reicht auch schon ein Gefälle von unter 30 Grad, um einem Rutscher und damit einen gefährlichen Absturz zu provozieren. Denn irgendwann endet das Schneefeld – oft in einer Geröll- oder Blockfelspartie, schlimmer über einer abfallenden Felswand oder gar in einem Bergbach. Ist das Schneefeld um 40 Grad steil, wird dann schnell einmal nahezu die Beschleunigung eines Absturzes im freien Fall erreicht.

Oft unterschätzt: Das Queren eines Altschneefeldes.

Wie vermeidet man einen Unfall? Einerseits gilt es, bei der Tourenvorbereitung den Routenverlauf genau zu analysieren. Mithilfe von Karten und Webcams kann man sich ein erstes Bild über die zu erwartenden Bedingungen auf der geplanten Tour machen, auch Auskünfte vor Ort (in Tourismus- und Bergführerbüros, bei Bergbahnen usw.) oder die Konsultation von Tourenportalen mit aktuellen Einträgen von Tourengehern sorgen für einen klareren Blick.
Muss man aber doch ein Altschneefeld queren, sollte man dies keinesfalls aufs Geratwohl hin tun – wer zu viel wagt, kann auch verlieren. Hier ein paar Tipps für ein besonnenes Vorgehen:

Schuhe.  Eine steife und damit auch kantige Sohle sorgt für besseren Halt als eine weiche und gerundete Sohle, wie sie für einfache Wanderschuhe typisch sind.

(Leicht-)Steigeisen, Grödel, Spikes.  Steigeisen, wie sie Bergsteiger für grosse Eistouren verwenden, sind auf Wanderungen kaum je mit dabei. Leichte, schnell montierte Spikes (snowline spikes, Grödel usw.) hingegen eher. Deren Edelstahlzacken sorgen für einen guten Halt, was übrigens auch in steilen Grashängen und überfrorenen Stellen bei Bachüberquerungen gilt. Achtung beim Gehen: Etwas breitere Fussstellung wählen, damit man mit den Zacken nicht am Schuhbändel oder Hosenabschluss einhängt und so einen Stolperer verursacht! 

Trekkingstöcke.  Mit ihnen kann das Gleichgewicht besser gehalten werden. Möglichst kurz einstellen. Ist nur ein Stock dabei, gehört dieser auf die Bergseite.

Eispickel.  Für frühsommerliche Trekkings in höheren Lagen bringt das Mitführen eines (leichten) Eispickel Vorteile. Nicht nur kann man damit Stufen – horizontal bis leicht nach innen geneigt! – in den harten Schnee schlagen, sondern ein Pickel hilft auch zu bremsen, wenn man tatsächlich einmal das Gleichgewicht verliert.

Weitere Tipps.  Sowohl im Auf- wie im Abstieg Schneefelder leicht aufsteigend queren; dabei langsam und konzentriert gehen und nur kurze Schritte machen.

Wenn man doch abrutscht
Nicht nur hartgefrorene Altschneefelder sind gefährlich. Auch wenn sich der Schnee im Tagesverlauf erwärmt hat, können diese instabil werden oder sogar einbrechen. Gefährlich ist dann nicht nur ein Abgleiten, sondern auch ein Sturz, wenn sich unter der Schneedecke ein Bach befinden sollte. Wer dann mit schwerem Rucksack kopfüber im Wasser hängenbleibt, hat nur wenig Chancen, sich selber schnell zu befreien.
Kommt es zu einem Abgleiten, gilt folgendes: Sich sofort mit dem Bauch zum Schnee drehen und mit abgespreizten Armen und Beinen zu bremsen versuchen. Wer mit Steigeisen und Pickel unterwegs ist, darf diese Technik allerdings nicht anwenden, da sonst unkontrolliertes Überschlagen droht. Sondern Füsse mit den Eisen hochheben und die Pickelhaue mit beiden Händen zum Bremsen in den Schnee pressen. Es empfiehlt sich, diese Technik vorher zu üben.
Wer unsicher ist, ob die Querung eines Altschneefeldes nicht zu risikoreich ist und ein solches auch nicht umgehen kann, sollte den Mut zur Umkehr haben. Lieber einmal zu viel als das letzte Mal! Dabei auf die Gruppendynamik achten und mit klaren Hierarchien klare Entscheidungen fällen.

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